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Anaphylaktischer Schock

Wenn Sekunden zählen: 10 lebensrettende Tipps

Ein plötzlich versagender Körper, ein Atemzug zu wenig – so schnell kann ein anaphylaktischer Schock das Leben auf den Kopf stellen. Meist kommt er unerwartet und ist lebensbedrohlich, weshalb schnelles Handeln und klares Wissen gefragt sind. In kurzen, praxisnahen Hinweisen zeigen wir, worauf es in den ersten Minuten ankommt. Doch welche Schritte retten wirklich Leben?
  • Ruhe bewahren und die betroffene Person beruhigen

Sprechen Sie ruhig, erklären Sie kurz Ihre Schritte und bleiben Sie bei der Person. Beruhigung reduziert Panik und erleichtert die Durchführung notwendiger Massnahmen.

  • Rettungsdienst sofort alarmieren

Rufen Sie bei Verdacht auf einen anaphylaktischen Schock unverzüglich die 144, auch wenn die betroffene Person ihr Notfallset bereits verwendet hat. Ein Schock kann sich rasch verschlechtern und erfordert ärztliche Versorgung.

  • Kontakt zum Auslöser beenden

Verhindern Sie, dass weiteres Allergen zugeführt wird, indem Sie beispielsweise eine Infusion stoppen, vor weiteren Insektenstichen schützen oder bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie weiteres Essen verhindern.

  • Wählen Sie die richtige Lagerung entsprechend der Symptome 

Hat die Person keine Atemprobleme, bringen Sie diese flach mit erhöhten Beinen in die Schocklage. Bei Atemnot setzen Sie die Person fast aufrecht. Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung legen Sie die stabile Seitenlage an.

  • Vitalzeichen überwachen und bei Herz- oder Atemstillstand handeln

Kontrollieren Sie regelmässig Puls, Atmung und Bewusstsein. Setzt die Atmung aus, beginnen Sie umgehend mit der Beatmung. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand starten Sie sofort die Reanimation (Atemwege freimachen, beatmen, Herzdruckmassage).

  • Adrenalin-Pen korrekt anwenden

Entfernen Sie die Sicherheitskappe, drücken Sie den Autoinjektor kräftig gegen die äussere Oberschenkelmitte (die Kleidung muss nicht entfernt werden), hören Sie das Klicken und halten Sie den Pen etwa zehn Sekunden lang gedrückt. Wenn sich der Zustand nicht verbessert, kann nach 5-10 Minuten eine zweite Injektion nötig sein.

  • Helfen Sie bei der Anwendung des Notfallsets

Unterstützen Sie die betroffene Person bei der Handhabung des Sets gemäss den Anweisungen und helfen Sie ihr bei der Verabreichung von Sprays oder Tabletten. Da viele Menschen in Panik unsicher sind, verbessert praktische Hilfe die Erfolgschancen.

  • Antihistaminika und Kortison als Ergänzung

Geben Sie nach ärztlicher Anweisung Antihistaminika und gegebenenfalls Kortison als ergänzende Massnahme. Sie wirken langsamer als Adrenalin und ersetzen dieses bei einer schweren Reaktion nicht.

  • Bereitstellen und Weitergeben von relevanten Informationen

Zeigen Sie beim Eintreffen des Rettungsdienstes den Anaphylaxie-Pass mit Auslösern und Medikamentendosierungen. Berichten Sie ausserdem über den Zeitpunkt, die verabreichten Medikamente und die beobachteten Symptome.

  • Wer ein Notfallset bekommen sollte

Notfallsets werden typischerweise für Personen verschrieben, die bereits eine Anaphylaxie erlebt haben (wenn der Auslöser nicht sicher vermeidbar ist), für Personen mit Mastozytose, für Personen, die bereits schwere Reaktionen auf Nüsse erlebt haben, oder für Personen, die schon auf geringe Allergenmengen hochsensibel reagieren.

editorial.facts

  • Hat eine Person bereits eine Anaphylaxie erlebt, bleibt die Sensibilisierung bestehen – ein erneuter Kontakt mit demselben Auslöser kann dieselbe heftige Reaktion erneut auslösen.
  • Grob gerechnet erleidet jährlich etwa eine von 10'000 Personen eine anaphylaktische Reaktion, während Registerdaten von etwa zwei bis drei Fällen pro 100'000 Personen berichten.
  • Bei Kindern sind Lebensmittel mit einem Anteil von rund 60 % die häufigste Ursache, gefolgt von Insektenstichen und Medikamenten. Bei Erwachsenen führen Insektenstiche und Arzneimittel deutlich häufiger zur Anaphylaxie als Nahrungsmittel.
  • In etwa 5-20 % der Fälle treten sechs bis 24 Stunden nach der ersten Reaktion nochmals Beschwerden auf, weshalb eine ärztliche Beobachtung auch nach scheinbarer Besserung sinnvoll ist.