Fresssucht

Wenn Essen süchtig macht

Viele von uns kennen gelegentliches Frustessen, wenn man schlechte Laune hat und zur Schokolade greift. Doch manche geraten in einen Teufelskreis mit einem Kontrollverlust über das Essverhalten und nach regelmässigen Essanfällen fühlen sie sich schuldig statt glücklich. Was ist eine Fresssucht und wie kann man sie überwinden?

Warum isst man ohne körperlichen Hunger? Man nennt dies das emotionale Essen. Mit der Zeit bemerkt man, dass man viel schneller und viel mehr als sonst isst und das Essen nicht wirklich geniessen kann. Das Essen wird zur Sucht. Die Betroffenen sind in der Regel süchtig nicht nach Brokkoli oder Avocados, sondern Sie sind süchtig nach ungesunden Lebensmitteln genauso wie Alkoholiker nach Alkohol süchtig sind. Fresssucht (auch Binge-Eating-Störung genannt) ist in der Wirklichkeit eine psychische Störung, die mit immer wiederkehrenden Essattacken einhergeht, wobei man grosse Nahrungsmengen verschlingt und Hunger oder Sättigung keine Rolle spielt. Man hört erst auf zu essen, wenn es einem schlecht wird und empfindet Schuld, Scham und Ekel.

Essen als Ersatzbefriedigung wird schon in Kindheit geprägt: die Brust zur Beruhigung für ein Baby, dann Süssigkeiten zur Belohnung oder zum Trost für ein Kind. Und von Kindheit an versteht man: Essen sorgt für ein gutes Gefühl. Doch wenn das Essen zum einzigen Mittel wird, das beim Überwinden von negativen Gefühle hilft, dann wird dies zu einem Problem. Man nimmt unausweichlich zu und versucht vergeblich abzunehmen. Schon wieder negative Gefühle. Was „hilft“? Weiteressen. Einige Lebensmittel beeinflussen unsere neurochemische Systeme und verändern die Stimmung: Kohlenhydrate wirken beruhigend, Eiweiss aktivierend, und nach einem zucker- und fettreichen Snack senkt sich das Stresshormon Kortisol. Bei einer Fresssucht werden die gleichen Areale im Gehirn angesprochen wie bei jeder anderen Sucht und es kommt zu Entzugserscheinungen, wenn die Betroffenen länger nicht in grossen Mengen gegessen haben. Bei fresssüchtigen Menschen wird Dopamin von Mal zu Mal schwächer ausgeschüttet und sie müssen immer mehr und öfter Ungesundes essen, um das gleiche Level an Dopamin zu erreichen. „Wir wissen, dass Salat gesünder als Schokolade ist. Doch dieses Wissen hilft uns nicht. Wir müssen uns stattdessen mit unseren Gefühlen beschäftigen und uns ihnen stellen!“ – so Maria Sanchez, Seminarleiterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Die Betroffenen sind meist übergewichtig und leiden unter Selbsthass, Depressionen und unter einem niedrigen Selbstwertgefühl. Sie isolieren sich und können oft ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Sie leiden nicht nur psychisch, sondern auch physisch: eine Fresssucht führt zu körperlichen Beschwerden und Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar zu verschiedenen Krebsarten.

Was hilft, wenn man zu dieser Essstörung neigt? Hier sind die wirksamsten Tipps.

  • Schreiben Sie alles auf, was Ihre Sucht beeinflusst. Das hilft zu bestimmen, wo die Probleme liegen. Schreiben Sie Lebensmittel auf, die für Ihre Essanfälle typisch sind. Diese Lebensmittel sind Auslöser und sollten komplett aus Ihrem Ernährungsplan gestrichen werden.

  • Vermeiden Sie Lebensmittel mit einem hohen Zuckergehalt wie Fast-Food, Softdrinks, Süssigkeiten und Snacks. Gerade diese Lebensmittel stehen im Verdacht, abhängig zu machen.

  • Schreiben Sie eine Liste von gesunden Lebensmitteln auf, die Sie mögen, und essen Sie diese Lebensmittel als eine gesunde Alternative zu Fast-Food.

  • Legen Sie sich regelmässige Zeiten zum Essen fest. Achten Sie darauf, langsam zu essen und nur dann, wenn Sie hungrig sind. Achten Sie auf Signale Ihre Körpers wie Sättigung und lassen Sie sich während des Essens durch den Fernseher oder das Handy nicht ablenken.

  • Wenigstens in den ersten Monaten sollte das Abnehmen nicht zu Ihren Zielen gehören – das wird die Sache nur erschweren. Ihr primäres Ziel ist, die Essanfälle in den Griff zu bekommen, um die Sucht zu lindern.

  • Das gesunde Motto „alles in Massen“ gilt für Fresssüchtige leider nicht, da schon die kleinste Menge von zuckerhaltigen Lebensmitteln zu Rückfällen führen kann – genauso wie schon die kleinste Menge von Alkohol für einen Alkoholsüchtigen.

  • Ab und zu erlebt man Heisshungerattacken und greift zu Pizza oder Burger aus dem nächsten Schnellimbiss. Suchen Sie im Voraus Adressen von alternativen Restaurants und Lieferdiensten mit gesunden und nährstoffreichen Gerichten aus, um diese immer griffbereit zu haben.

  • Machen Sie eine Liste, wo Sie Pro und Contra Ihres neuen Essverhaltens aufschreiben. Schauen Sie regelmässig an diese Liste, um Ihre Motivation zu steigern und um sich selbst daran zu erinnern, warum Sie das machen. Das hilft, Essanfällen vorzubeugen.

  • Falls es nötig ist, suchen Sie eine Ernährungsberatung auf. Das hilft, die eigene Ernährung komplett umzustellen, um die Esssucht zu überwinden.

Mit diesen Tipps können Sie Ihr Essverhalten komplett umstellen, um lästigen Essanfällen vorbeugen zu können!

Fakten zum Thema

  1. Studien haben gezeigt, dass das Angstlevel sinkt, sobald der/die Betroffene ein Sandwich verzehrt hat.
  2. Unter einem gestörten Essverhalten können auch schlanke Menschen leiden.
  3. Fast-Food begünstigt eine Fresssucht. Es wirkt sich auf die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn aus: stark verarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Zuckergehalt beeinflussen das Belohnungs-Areal des Gehirns.




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