Niesen ist ein natürlicher Reflex, bei dem Luft plötzlich und heftig durch Nase und Mund ausgestossen wird. Ausgelöst wird dieser Vorgang durch eine Reizung der Nasenschleimhaut. Verursacht werden kann diese Reizung durch Fremdstoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare, aber auch durch andere Einflüsse wie plötzliche Lichteinwirkung.
Bei einer solchen Reizung senden die betroffenen Nervenzellen Signale über den Trigeminusnerv an das Stammhirn. Daraufhin kommt es zu einer koordinierten Aktivität verschiedener Muskeln, die am Niesvorgang beteiligt sind. Dazu gehören die Gesichtsmuskeln, jene im Hals- und Brustbereich sowie das Zwerchfell, das sich dabei kräftig zusammenzieht. Zeitgleich wird der Kopf nach hinten geneigt, während sich die Stimmbänder im Kehlkopf kurz schliessen, um den kräftigen Luftstoss hervorzubringen.
Physiologisch betrachtet ist Niesen eine Form des Atmens, die sich durch Schnelligkeit und Explosivität auszeichnet und bei der dieselben Muskeln beteiligt sind, die auch bei der üblichen Atmung eine Rolle spielen. Im Gegensatz zur bewussten Kontrolle und sogar Unterbrechung der Atmung ist das Niesen ein Reflex, der sich nicht willentlich unterdrücken lässt.
Niesen kann durch vielfältige Auslöser verursacht werden, die vor allem mit einer Reizung der Nasenschleimhaut zusammenhängen. Häufig treten Niesattacken im Zusammenhang mit einer Entzündung der Nasenschleimhäute auf, die entweder durch allergische Reaktionen oder Infektionen verursacht wird. Bei der allergischen Form reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Umweltstoffe, wie zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Dies führt zu typischen Beschwerden wie Juckreiz und vermehrtem Niesen.
Infektiöse Ursachen resultieren meist aus einer viralen oder bakteriellen Infektion der oberen Atemwege, zum Beispiel im Rahmen einer Erkältung. Dabei können die Keime während des Niesens zusätzlich verbreitet werden. Doch auch nicht-infektiöse Reize wie bestimmte Medikamente, hormonelle Veränderungen oder Umwelteinflüsse wie Staub, Rauch, kalte Temperaturen oder starke Gewürze können die Nasenschleimhaut reizen und infolgedessen Niesanfälle auslösen.
Neben den häufigen Auslösern gibt es darüber hinaus speziellere, eher seltene Auslöser, die jedoch ebenfalls bemerkenswert sind. So können körperliche Betätigungen oder emotionale Zustände eine Rolle spielen – bei manchen Menschen wird Niesen auch in situativen Zusammenhängen beobachtet, etwa nach intensivem sexuellen Erleben. Zudem gibt es einige Fälle, in denen Niesanfälle im Zusammenhang mit bestimmten neurologischen Erkrankungen oder als Begleiterscheinung von Kopfschmerzattacken auftreten.
Das Phänomen, dass manche Menschen beim Blick in helles Sonnenlicht niesen müssen, wird als photischer Niesreflex bezeichnet. Er beruht vermutlich auf einer genetisch bedingten Besonderheit im Nervensystem.
Bei Betroffenen liegen bestimmte Nerven im Kopf aussergewöhnlich nah beieinander, vor allem der Trigeminusnerv, der für das Gesicht, die Nase sowie Teile des Kiefers zuständig ist, und der Sehnerv, der visuelle Eindrücke vom Auge zum Gehirn weiterleitet. Durch die starke Lichtreizung beim plötzlichen Blick in die Sonne kann es zu einem Übergreifen der Nervenimpulse kommen. Dabei springt die Stimulation des Sehnervs auf den Trigeminusnerv über. Dies wird fälschlicherweise als Signal zur Auslösung eines Niesreflexes interpretiert.
Diese Reaktion tritt vorwiegend bei einem plötzlichen Wechsel von einer dunklen in eine sehr helle Umgebung auf und nicht unbedingt aufgrund der reinen Helligkeit. Sonnenbrillen bieten daher oft nur begrenzten Schutz, da der Reflex bereits ausgelöst wird, bevor die Augen vollständig geschützt sind.
Obwohl der photische Niesreflex im Alltag meist ungefährlich ist, empfiehlt es sich, insbesondere bei Aktivitäten wie Fahrrad- oder Autofahren darauf vorbereitet zu sein. Das Niesen ist nämlich mit dem instinktiven Schliessen der Augen verbunden, wodurch sich die Wahrnehmung kurzzeitig einschränkt.
Häufiges Niesen ist in vielen Fällen ein Zeichen dafür, dass der Körper aktiv auf Reize reagiert – und das ist grundsätzlich positiv. Beim Niesen versucht der Organismus, Fremdstoffe oder Krankheitserreger aus den Atemwegen zu entfernen. Der dabei entstehende Luftstoss reinigt die Nasenschleimhäute und schützt so vor Infektionen. Auch bei einer beginnenden Erkältung zeigt häufiges Niesen, dass die Abwehrkräfte aktiv werden und die Schleimhäute auf die Eindringlinge reagieren.
Trotzdem muss häufiges Niesen nicht immer harmlos sein. Es kann auch auf Allergien, trockene Raumluft oder eine empfindliche Nasenschleimhaut hinweisen. Wenn das Niesen über längere Zeit anhält oder von anderen Beschwerden wie Juckreiz, tränenden Augen oder Atemproblemen begleitet wird, sollte eine Abklärung erfolgen.
Aus medizinischer Sicht wird das bewusste Unterdrücken eines Niesens, etwa durch Zuhalten der Nase oder Verschliessen des Mundes, nicht empfohlen, da dies mit erheblichen Risiken verbunden sein kann. Beim Niesen strömt die Luft mit sehr hoher Geschwindigkeit aus den Lungen aus, was mit einem Orkan vergleichbar ist. Dies verursacht einen starken Druckaufbau in den Atemwegen.
Wird dieser Reflex unterdrückt, entlädt sich die aufgestaute Kraft nicht nach aussen. Stattdessen kann sie das Gewebe der Nasenschleimhaut schädigen. Dabei können feine Risse entstehen, durch die Krankheitserreger in sonst geschützte Bereiche wie die Nebenhöhlen oder das Mittelohr gelangen. Dies kann Entzündungen hervorrufen und im schlimmsten Fall zu Verletzungen des Trommelfells führen. Auch Schwindel, Zwerchfellverletzungen oder das Platzen kleiner Blutgefässe zählen zu den potenziellen Komplikationen.
Beim Niesen schliessen sich die Augen reflexartig, ohne dass wir diesen Vorgang willentlich steuern können. Dies dient vermutlich dazu, die Augen vor den beim Niesen ausgestossenen Krankheitserregern zu schützen und zu verhindern, dass der dabei entstehende hohe Druck die Augäpfel belastet. Das Schliessen der Augen ist Teil der unbewussten Muskelreaktion im Gesicht während des Niesens.
Obwohl Niesen oft als störend empfunden wird, erfüllt es eine wichtige Schutzfunktion für unsere Gesundheit. Mit bewährten Strategien und etwas Aufmerksamkeit lassen sich häufige Niesattacken reduzieren, sodass Sie sich in jeder Situation wohler fühlen.

